Das wissenschaftliche Publikationswesen hat über viele Jahrzehnte ein strukturiertes System für die Publikation in Fachzeitschriften aufgebaut: Forschende reichen Artikel bei Zeitschriften ein, Kolleg*innen aus der Disziplin prüfen diese im Peer-Review-Verfahren und entscheiden, ob die Ergebnisse veröffentlichungsreif sind und erst nach dieser Begutachtung werden Artikel publiziert. Bis in die 1990er Jahre wurden wissenschaftliche Zeitschriften fast ausschließlich durch Abonnements finanziert: Bibliotheken zahlten für den Zugang zu Zeitschriften, Autor*innen mussten in der Regel nichts bezahlen.


Open Access Journal wird von zwei Forschenden stolz gehaltenMit Verbreitung des Internets in den frühen 2000ern wuchs der Wunsch nach frei zugänglichen Forschungsergebnissen. Die Open-Access-Bewegung trat dafür ein, die Möglichkeiten des elektronischen Publizierens zu nutzen und über das Internet wissenschaftliche Ergebnisse für alle Interessierten kostenlos zugänglich zu machen. Da Open-Access-Zeitschriften für Leser*innen kostenlos sind, können deren Produktionskosten nicht über Abonnements gedeckt werden und müssen daher durch andere Geschäftsmodelle finanziert werden. Seit dem Beginn der Open-Access-Bewegung haben sich unterschiedliche Finanzierungswege etabliert (s. auch nächster Modulabschnitt). Einer dieser Wege ist die Finanzierung über Publikationsgebühren (Article Processing Charges/APC für Artikel bzw. Book Processing Charges/BPC für Bücher), bei denen die Kosten von den Autor*innen, deren Institutionen oder Förderorganisationen getragen werden.

Was dann geschah

Doch der Finanzierungsweg über APC bzw. BPC sowie die zunehmende Akzeptanz dieses Modells eröffnete auch Raum für Missbrauch. Ab den 2000er Jahren tauchten zunehmend Anbieter auf, die dieses APC-basierte-Finanzierungsmodell ausnutzten. Diese sogenannten predatory publishers (im Deutschen auch Raubverlage genannt) erkannten, dass sich mit wissenschaftlich klingenden Zeitschriften und schnellen Publikationsversprechen leicht Geld verdienen ließ und missachteten dabei die hohen Standards des Peer Reviews oder der redaktionellen Qualitätssicherung. Sie lockten Autor*innen mit aggressiven E-Mails, gefälschten Impact Factors und scheinbar seriösen Webauftritten.


Kennen Sie Jeffrey Beall?

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema durch die Arbeit des Bibliothekars Jeffrey Beall, der ab 2010 eine Liste verdächtiger Verlage und Journals veröffentlichte. Diese Liste wurde vielfach diskutiert und teilweise auch kritisiert - u.a. für  intransparente Methodik, subjektive Entscheidungen und kulturelle Voreingenommenheit, da sie vor allem nicht-westliche Open-Access-Zeitschriften als "räuberisch" einstufte. Auch wenn Beall's List später aus dem Netz verschwand, löste sie eine breite Debatte über Transparenz, Publikationsdruck und die Verantwortung von Verlagen und Forschenden in der Wissenschafts- und Publikationslandschaft aus.


Euro-Zeichen in orange


Neben unseriösen Zeitschriften gibt es weitere Erscheinungsformen von räuberischen Praktiken im Wissenschaftssystem, darunter sogenannte Predatory Conferences. Diese Veranstaltungen geben sich als wissenschaftliche Fachkonferenzen aus, verzichten jedoch auf eine verlässliche inhaltliche Prüfung der eingereichten Beiträge. Sogenannte Vanity Presses oder Pseudoverlage verlangen oftmals hohe Gebühren für die Publikation von Büchern, ohne jedoch qualitätssichernde Maßnahmen wie Lektorat oder Peer Review umzusetzen. Eine weitere Variante sind sogenannte Hijacked Journals, bei denen die Webpräsenzen seriöser Zeitschriften gekapert oder täuschend ähnlich imitiert werden, um Autor*innen zur Einreichung von Manuskripten und Zahlung von Gebühren zu verleiten.

 


 
Fazit

Heute gilt Predatory Publishing als eine der zentralsten wissenschaftsethischen Herausforderungen der digitalen Publikationslandschaft. Daher haben Angehörige von Universitäten, Bibliotheken und Forschungsorganisationen sich zur Aufgabe gemacht, über wissenschaftliches Publizieren und Qualitätssicherung im Forschungsprozess aufzuklären.

Zuletzt geändert: Dienstag, 10. März 2026, 09:32