1. Ruhe bewahren & Fakten prüfen

Bewahren Sie zunächst Ruhe und prüfen Sie sorgfältig die Faktenlage. Beantworten Sie für sich folgende Fragen:

  • Handelt es sich eindeutig um ein Predatory Journal?
  • Wurde ein Vertrag unterschrieben?
  • Wurden APCs gezahlt?
  • Ist der Artikel bereits online veröffentlicht?


2. Handeln – je nach Publikationsstatus

A) Unmittelbar nach der Einreichung in einem Predatory Journal

Wenn Sie nach der Einreichung feststellen, dass die Zeitschrift nicht seriös ist, sollten Sie

  • keine Publikationsgebühren (APC) zahlen.
  • keinen Vertrag unterschreiben.
  • keinen anderen Publikationsbedingungen zustimmen.

B) Bei Annahme durch ein Predatory Journal

Wurde ein eingereichtes Manuskript von einem Predatory Journal angenommen, sollten Sie

  • konsequent eine Vertragsunterschrift verweigern,
  • umgehend schriftlich die Rücknahme des Manuskripts (retraction) vor der Online-Veröffentlichung einfordern.

C) Bei bereits erfolgter Online-Veröffentlichung

Ist der Artikel bereits online erschienen, dann:

  • Fordern Sie schriftlich die Rücknahme (Retraction) an – auch wenn viele Journals nicht reagieren.
  • Bezahlen Sie keine Rückzugsgebühren ("withdrawal fee").
  • Speichern Sie E-Mails, Verträge und Korrespondenz – falls spätere rechtliche Schritte nötig sind.

3. Beratung einholen

Wenden Sie sich an:

  • Ihre Hochschulbibliothek
  • Open-Access- oder Publikationsberatung (Informationen zur Open-Access-Beratung in Ihrer Einrichtung finden Sie zum Beispiel im oa.atlas. Bei Fragen rund um Open Access hilft Ihnen außerdem der oa.helpdesk)
  • ggf. Rechtsberatung Ihrer Institution

Diese Stellen haben Erfahrung mit solchen Fällen.


4. Abwägen: Transparenz und Neu-Veröffentlichung

Wägen Sie aktiv und sorgfältig ab, wie sie mit einer Publikation in einem Predatory Journal in künftigen Bewerbungen und Förderanträgen umgehen möchten. Entscheiden Sie sich für Transparenz, kontextualisieren Sie in jedem Fall Ihre Publikation, z.B. indem Sie sie als zurückgezogen kennzeichnen und erklären, dass es sich um eine unbeabsichtigte Veröffentlichung handelt. Transparenz wird in der Regel positiver bewertet als Verschleierung.

Sie können alternativ Ihren Artikel signifikant überarbeiten, sodass er als eigenständige Arbeit anerkannt werden kann. Daraufhin können Sie versuchen, ihn in einer seriösen Zeitschrift unterzubringen. Nutzen Sie dann für Ihre Suche nach einer geeigneten Zeitschrift das DOAJ, Think.Check.Submit. und/ oder B!SON. Kontextualisieren Sie auch in diesem Fall Ihre Arbeit und sagen Sie, dass eine vorherige Version Ihres Artikels unbeabsichtigt in einer Zeitschrift ohne ordentliches Peer Review eingereicht, dort aber zurückgezogen wurde. Stellen Sie außerdem klar, dass es sich bei der neuen Fassung um eine neue Version mit signifikanten Erweiterungen handelt.


5. Lehren ziehen

Nutzen Sie die Erfahrung, um künftige Publikationsrisiken systematisch zu minimieren, indem Sie:

  • Prüfroutinen für zukünftige Publikationen etablieren,
  • Tools aus Modul 3 konsequent nutzen und
  • Kolleg*innen und Nachwuchsforschende sensibilisieren.

Zuletzt geändert: Montag, 2. März 2026, 07:30